Fledermausschutz in der Südpfalz

Fledermaus-Biotop auf der ehemaligen Schießanlage
in Insheim

Die Vorgeschichte

Im Januar 2005 schauten sich Franz Grimm (†), Heinz Wissing und Edgar Schlee vom Naturschutzverband Südpfalz, sowie Michael Beckenhaubt – damaliger Erster Beigeordneter der Gemeinde Insheim – den ehemaligen, französischen Schießplatz an. Der Grund ihrer Besichtigung war der Vorschlag von Edgar Schlee den Zielzonengang in ein Winterquartier für Fledermäuse umzubauen. Da die Gemeinde Insheim dort ein Gewerbegebiet anlegen wollte, wurde diese Naturschutzmaßnahme zunächst nicht realisiert. Im Frühjahr 2013 griff Heinz Wissing die Idee wieder auf und sprach den Autor wegen der Realisierung an. Nach Besichtigungen erstellte der Autor ein Konzept, nicht nur für ein Winterquartier, sondern für ein Fledermausbiotop mit Sommer- und Winterquartieren. Nach mehreren Anläufen des NVS genehmigte schließlich der Gemeinderat Insheim am 27. Oktober 2016 das Projekt.

Aufgrund der Größe des Projektes und der Tatsache, dass Naturschutz uns alle angeht, baten wir im Sommer 2017 die drei Bundestagsabgeordneten der Südpfalz, Dr. Thomas Gebhart (CDU), Thomas Hitschler (SPD) und Dr. Tobias Lindner (BÜDNIS7DIE GRÜNEN) um Unterstützung. Gemeinsam verfassten sie einen Brief an Umweltministerin Ulrike Höfken, in dem sie die Förderung des Projektes befürworteten. Frau Höfken befürwortete das Projekt mit Schreiben vom 23.02.18.

Für die Nutzung des Geländes musste ein Gestattungsvertrag an die Ortsgemeinde Insheim gestellt werden. Ebenso war eine Baugenehmigung für den Zielzonengang zu beantragen.

Die Maßnahmen

Das Projekt umfasst folgende Maßnahmen:

  • Umbau des Zielzonenganges der Schießanlage zu einem Fledermaus-Winterquartier
  • Schaffung von Sommer-, Wochenstuben-, sowie Überwinterungsquartieren für baum- und gebäudebewohnende Arten (Dachraum- und Spaltenbewohner)
  • Förderung der nachtaktiven Insekten durch ausbringen ihrer Wirts- oder Futterpflanzen; dadurch Erhöhung des Futterangebotes für die Fledermäuse
  • Erhalt und Pflege des Gehölzbestands als strukturreiches, lichtes Laubgehölz
  • Installation eines Lehrpfads über Fledermäuse auf angrenzenden Flächen
  • Monitoring durch den Arbeitskreis Fledermausschutz Rheinland-Pfalz

Der ca. 8,8 ha große Schießplatz liegt etwa 1 km nördlich von Insheim an der L543. Er ist mit einem Jungwald (überwiegend Akazien und Robinien) bedeckt, der von Freiflächen und Gebüschreihen durchsetzt ist. Dieses Biotop stellt jetzt schon einen für Fledermäuse attraktiven Jagdraum dar. Durch unsere zusätzlichen Maßnahmen werden vor allem Sommer- und Winterquartiere geschaffen. Der geplante Lehrpfad bezieht unsere Bevölkerung mit in den Naturschutz ein. Er kann auch von Schulen genutzt werden.

Außerdem wurden durch Heinz Wissing jedes Jahr auf dem ca. 1 km entfernten Ebenberg Große Abendsegler in der Zugzeit festgestellt. Die Zahlen sind leider rückläufig: 1989 zählte Wissing noch über 1000 Tiere; in 2016 waren es weniger als 10 (!) Tiere.

Fledermäuse Insheim, Schießplatz Satelittenbild
Satellitenbild,
rot umrandet: Schießplatz Insheim mit Zusatzflächen
grünes Rechteck: Zielzone mit Zielzonengang
(Quelle: Google Maps)

Der Schießplatz wird von zwei Bogensportvereinen (Palatina Bogenschützen e. V. und ESV Landau Abteilung Bogensport) genutzt. Wir wollen auch zeigen, dass Sport und Naturschutz sich nicht ausschließen müssen.

Fledermaus-Winterquartier

Aufbau und Zustand der Zielzone des Schießstandes

Der Zielzonengang – 129 m lang, Querschnitt ca. 2 x 2 m – wird als Winterquartier ausgebaut.

Die Decke hat in mehreren Abschnitten ca. 0,8 m breite Öffnungen. In diese werden Schlafnischen für die Fledermäuse eingebaut. Die Nischen werden als sogenannten Porotonbetten ausgeführt. Gisela und Walter Schulz aus Dahlenburg haben dieses Verfahren seit 1988 beim Aus- bzw. Neubau von 22 Winterquartieren in Niedersachsen entwickelt und zum Erfolg geführt. Bei Winterkontrollen 2010/2011 in 21 dieser Quartiere wurden mindestens 1900 Individuen aus 9 Arten festgestellt (s. Nyctalus Bd. 17, Heft 1–2 2012, S.125).

Fledermäuse Insheim, Porotonnett
Porotonbett nach G. + W. Schulz
(Quelle: Nyctalus Bd. 17, Heft 1-2 2012, S. 141)

Diese Konstruktion wird mit Sand und Mutterboden überdeckt. Die Erdfeuchte überträgt sich in die Schlafnischen und liefert so die nötige Feuchtigkeit. Trockene Schlafnischen für Braune Langohren (Plecotus auritus) und Breitflügelfledermäuse (Eptesicus serotinus) werden innerhalb des Zielzonenganges unter der Betondecke realisiert.

Zur besseren Feuchteregulierung und Schalldämpfung wird der Boden im Inneren mit einer 10 cm dicken Sandschicht bedeckt. Es wird auch eine Temperaturregulierung und Durchwetterung mit Hilfe von verstellbaren Belüftungsrohren realisiert.

Um im Quartier verschiedene Klimazonen zu schaffen, können auf einer Gangseite „Störwände” versetzt eingebaut werden. Diese werden mit horizontalen Nischen versehen (für Langohren- und Breitflügelfledermäuse)

Fledermäuse Insheim, Deckenöffnung
Deckenöffnungen des Zielzonenganges

Winter- und Sommerquartier im Außenbereich

Kleine und große Abendsegler überwintern natürlicherweise in Baumhöhlen (dicke Buchen und Eichen), die in unseren Wirtschaftswäldern rar geworden sind. Deswegen bietet man den Tieren Überwinterungskästen an. Diese sind besonders gut isoliert und werden an Bäumen befestigt.

Fledermäuse Insheim, Fledermausquartiere
Fledermausquartiere

Um die Attraktivität des Gebietes für die Fledermäuse auch im Sommer zu erhöhen, werden 6 Maßnahmen durchgeführt

  • Angebot von Fledermauskästen für Tagesschlafplätze, Paarungsquartiere und Wochenstuben
  • Um den Besatzdruck in den Fledermauskästen durch Singvögel zu senken, werden zusätzlich Vogelnistkästen im Verhältnis 3 zu 1 aufgehängt.
  • Für Graues Langohr (Plecotus austriacus) und Großes Mausohr (Myotis myotis) wird ein Dachraum für Wochenstuben nachgebildet
  • Anbringen von Fledermausbrettern an den weiteren Gebäuden (meist Kugelfänge) für spaltenbewohnende Arten.
  • Einsaat und Einpflanzung von Wildkräutern und Büschen, die nachtaktive Insekten anlocken (sog. „Fledermauspflanzen”) auf geeignete Flächen außerhalb der Parcoure der Bogenschützen
  • Bei Bedarf Auslichtung des Jungwaldes

Fledermauslehrpfad

Um Menschen und vor allem Kinder und Jugendliche für die Fledermäuse und ihre Lebensweise und Bedürfnisse zu begeistern, wäre ein Fledermauslehrpfad eine sehr sinnvolle Ergänzung. Das eigentliche Schießplatzgelände ist dafür nur eingeschränkt geeignet; Sicherheitsaspekte und Nutzungskonflikte mit den Bogenschützen sprächen dagegen. Möglicherweise könnten nördlich an den Schießplatz angrenzende Grundstücke erworben werden. Infolge fehlender Nutzung konnten sich hier geeignete fledermaus-freundliche Strukturen etablieren. So finden sich kleinflächig verbuschte Streuobstwiesen, Jungwald, Staudensäume und in Sukzession befindliche Gehölzstrukturen. Diese Grundstücke müssten allerdings vom Naturschutzverband Südpfalz noch erworben werden. Der Lehrpfad könnte auch im schulischen Bereich genutzt werden. Er wäre im Rahmen eines Schulausfluges gut von der Ortslage Insheim aus über Feldwege zu erreichen.

Monitoring

Der Erstbesatz, sowie der langfristige Erfolg der Maßnahmen soll durch entsprechende Monitoringmaßnahmen des Arbeitskreises Fledermausschutz Rheinland-Pfalz durchgeführt werden. Die richtige klimatische Einstellung des Winterquartieres ist ebenfalls durch Überwachen der Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten zu gewährleisten.

Ausführung

Das Projekt wird von Kurt Garrecht und Wolfram Blug vorangetrieben. Der Umbau des Zielzonenganges ist nicht in Eigenleistung zu erbringen. Dieses Gewerk wird deswegen an einen Bauunternehmer vergeben werden. Viele andere Maßnahmen – z. B. das Aufhängen von Kastenquartieren, Pflegemaßnahmen, Bau der Raum- und Spaltenquartiere- können wir Mitglieder des NVS erbringen.

Die ehemalige Schießanlage Insheim kann so zu einem hochwertigen Lebensraum für bedrohte Fledermäuse gestaltet werden, ohne dass die ansässigen Bogensportler wesentlich beeinträchtigt werden. Dies wäre ein gutes Beispiel dafür, dass die Ausübung von Sport und Naturschutz sich nicht ausschließen.


Fledermausprojekt Insheim gestartet

Zum Projektstart war als erster Arbeitseinsatz das Aufräumen des Zielzonenganges (Zzg) angesagt.

Fledermäuse Insheim
Zielzonengang, noch mit Unrat und Zielscheibengestellen

In Abstimmung mit den Bogenschützen konnten wir also am Samstag, den 16.06., endlich aktiv werden und aus dem Zielzonengang Holzreste, Geäst und Laub, vermischt mit eingeschwemmtem Erdreich sowie Restmüll herausschaffen. Laub und Holz musste raus, um später die Bildung von Schimmelpilzen zu vermeiden. War es doch im Gang selbst kühl und feucht bei 25°C Außentemperatur, so ist dennoch manches Schweißperlchen bei den Akteuren geflossen. Männer und Frauen packten kräftig zu, so dass gegen 12:00 Uhr 95 % des Unrates entfernt war.

Wie Tradition beim NVS wurde der Arbeitseinsatz mit einem zünftigen „Veschper“ beendet.

Fledermäuse Insheim
Nach getaner Arbeit ist gut „veschpern“

Ein herzliches Dankeschön an alle, die geholfen haben. Toller Einsatz!

Im südlichen Teil ist vor Jahren die Überdachung des Zzg‘s eingestürzt. Ein Teil des Daches liegt auf dem Gang. In einer zweiten Aktion wollen wir zunächst kleine und lose Holzteile in den Gang werfen und über den Nordzugang des Ganges entsorgen. Da es sich um ein Parcoursteil handelt, bedarf es der Absprache mit den Bogenschützen. Dies wird voraussichtlich Anfang Juli stattfinden.

Fledermäuse Insheim
Eingestürztes Dach im Süden des Zielzonenganges

Die Eisenteile und größere Holzteile des eingestürzten Daches werden in der zweiten Julihälfte per Eigenleistung, aber auch mit professioneller Hilfe entsorgt.

Der Bau des Winterquartieres ist terminiert vom 17.09.–31.10.18. Die weiteren Maßnahmen im Außenbereich werden dann in Absprache mit den Bogenschützen über Winter geplant.

Liebe Mitstreiter im Naturschutzverband Südpfalz,

ein solch großes Projekt ist nicht nur in Eigenleistung zu erbringen. Es bedarf auch professioneller Hilfe.

Wir vom NVS erbringen in diesem Projekt aber trotzdem Eigenleistungen im Wert von über 16.000 EUR.

Das schaffen wir nicht alleine. Dazu brauchen wir Eure Hände und Euer Herz.

Wer dabei sein möchte, bitte bei Kurt oder Wolfram melden.
Kontakt:

Vielen Dank schon jetzt für Ihr/Euer Engagement von den Fledermäusen und von uns!!!

Herzliche Grüße

Kurt & Wolfram