Amphibienschutzzaun bei Hagenbach an der K19

Kurzbericht und Jahresvergleich 2018

Die Amphibienschutzaktion 2018 ergab mit 1307 aufgefangenen Tieren fast exakt dasselbe Ergebnis wie im Vorjahr (1302 Exemplare), mit z. T. deutlichen Unterschieden je nach Art:

Erdkröten zeigen mit 524 Tieren einen deutlichen Zuwachs (132 % des Vorjahres) und erreichen den höchsten Stand seit 7 Jahren (rote Felder in der Grafik). Springfrösche haben mit 177 Exemplaren um 12 % abgenommen (Vorjahr: 201). Bei den Grasfröschen (267 Exemplare) hat sich das Ergebnis von 2017 mehr als halbiert (46 %). Die Summe beider Braunfroscharten (444 Tiere) liegt infolge dieses Rückgangs bei nur 57 % des Vorjahres (blaue und grüne Felder in der Grafik). Wasserfrösche haben mit 38 Exemplaren gegenüber dem Vorjahr (49 Tiere) leicht abgenommen, hatten damit aber immer noch das zweitbeste Ergebnis seit 2004. Bergmolche haben mit 280 Tieren den Einbruch von 2017 (68 Tiere) nicht nur wettgemacht, sondern sogar das zweitbeste Ergebnis seit Beginn dieser Schutzaktion erzielt. Fadenmolche zeigen sich mit 20 gut erholt (Vorjahr: 6 Tiere).

Die Amphibienwanderung – und damit die Schutzaktion – erstreckte sich diesmal über 29 Tage Sie begann am 9. März (so spät wie noch nie seit Beginn dieser Aufzeichnungen) und endete am 6. April. Mehr als 86 % aller Tiere (1131) kamen in den ersten fünf Tagen der Aktion. Vom 18. bis 25. März gab es (mit Ausnahme des 23.03.) aufgrund des erneuten Frosteinbruchs keine Funde, in den restlichen 11 Tagen kamen insgesamt nur noch 176 Tiere an.

Die Eimer im nördlichen Streckenbereich weisen eine deutlich höhere Auslastung aus. Es wäre zu prüfen, ob der Zaun weiter nach Norden verlängert werden sollte. Berichte über Totfunde konnten nicht ausgewertet werden – sie waren z. T. nicht nach Arten aufgeschlüsselt. Da einige Tiere schon vor Inbetriebnahme des Zauns unterwegs waren, bereits erfasste Tierleichen nicht beseitigt werden (und so evtl. am nächsten Tag noch einmal gezählt werden könnten) und gegen Ende der Aktionstage schon die ersten Rückläufer unterwegs waren, konnten aus den berichteten Daten und Hinweisen keine verwertbaren Folgerungen hinsichtlich der Wirksamkeit des Schutzzauns gezogen werden.

Amphibien Ergebnisse 2018

 

Ergebnisse zurückliegender Jahre:

PDFErgebnis 2018 im Jahresvergleich.pdf
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PDFErgebnis 2017 im Jahresvergleich.pdf
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PDFErgebnis 2016 im Jahresvergleich.pdf
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PDFErgebnis 2015 im Jahresvergleich.pdf
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PDFErgebnis 2014 im Jahresvergleich.pdf
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PDFErgebnis 2013 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [14.1 KB]

PDFErgebnis 2012 im Jahresvergleich.pdf
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PDFErgebnisse 2002–2011.pdf
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Hintergrundinformationen:

Entlang der Kreisstraße K19 von Langenberg nach Hagenbach, genauer gesagt zwischen der Einmündung der Büchelberger Straße und dem ehemaligen Sägewerk Betsch wurde im Jahr 2002 erstmalig für die Zeit der „Krötenwanderung“ ein Amphibienschutzzaun in einer Länge von gut 500 m angelegt. Er dient dem Schutz der Amphibien, die auf dem Weg aus ihren Winterquartieren im Bienwald zu ihren Laichplätzen im Naturschutzgebiet Ried-Ried die Straße überqueren müssen – ein Unterfangen, das in den vergangenen Jahren für Hunderte von Tieren tödlich verlief.

Seit damals sind bis heute an dem Projekt neben dem Forstamt Kandel die Untere Landespflegebehörde, die Biotopbetreuung Rheinland-Pfalz, der Naturschutzverband Südpfalz e. V. und die Hainbuchenschule Hagenbach beteiligt. Die Verantwortung für die täglichen Kontrollen der rund 35 Auffangeimer hat der Naturschutzverband Südpfalz e. V. übernommen. Während der Wanderperiode werden die Amphibien jeden Morgen eingesammelt und über die Straße in das Naturschutzgebiet gebracht.

Aus der Hainbuchenschule Hagenbach als Ökologischer Schule nimmt an dem Amphibienschutzprojekt schwerpunktmäßig die Grundschule teil. An je nach Witterung abgestimmten Tagen helfen die Kinder der Grundschulklassen, die Tiere einzusammeln und über die Straße zum Naturschutzgebiet zu bringen. Für die Dauer der Aktion werden jeweils Warnschilder und eine Geschwindigkeitsbeschränkung aufgestellt, und Eltern der Kinder sichern die Strecke zusätzlich als Lotsen.

Fachleute des NVS unterrichten die Kinder vor Ort über die jeweils vorgefundenen Arten, deren Lebensweise und den Grad akuter Gefährdung, in der sich die meisten Arten befinden. Außerdem wird über die Funde jeden Tages ein Protokoll angefertigt, das am Ende der Aktion eine Auswertung (Anzahl der Arten, Anzahl je Art, Verteilung entlang der Strecke, Häufigkeit über den gesamten Beobachtungszeitraum, Einfluss der Witterung auf das Wanderverhalten, Entwicklung im Lauf der Jahre, usw.) ermöglicht.

Bei diesem Standort handelt es sich um ein bedeutendes Vorkommen des Springfrosches (rana dalmatina) in Rheinland-Pfalz, ja sogar in ganz Deutschland. Alleine um ihre Überlebenschance zu verbessern, hätte sich diese Aktion schon mehr als gelohnt, die im Übrigen nicht als Eingriff in den natürlichen Lebenskreislauf zu werten ist: die Amphibien werden lediglich vor der Gefahr „Straßenverkehr“ bewahrt – mit ihren natürlichen Fressfeinden müssen sie alleine zurechtkommen. So sind z. B. wiederholt Spuren und Überreste aufgefunden worden, die für den Iltis kennzeichnend sind und auf einen stärkeren Bestand dieser Art schließen lassen. Aber auch die Ringelnatter lebt in diesem Naturschutzgebiet, und der Graureiher ist ein häufig anzutreffender Besucher …

Insgesamt wurden bisher folgende Arten erfasst: Springfrosch (rana dalmatina), Grasfrosch (rana temporaria), Teichfrosch (rana esculenta), Kleiner Wasserfrosch (rana lessonae), Erdkröte (bufo bufo), Bergmolch (triturus alpestris), und Fadenmolch (triturus helveticus).

Die Rückwanderung der Amphibien erfolgt in einem ausgedehnten Zeitraum nach dem Ablaichen, praktisch bis in den Herbst hinein (erste Wanderung der neuen Generation in die Winterquartiere). Für diesen „Rückweg“ sind keine Schutzmaßnahmen vorgesehen. Der Schutzzaun wird am Ende der Aktion wieder entfernt, um die Rückwanderung nicht zu behindern.