Amphibienschutzzaun bei Hagenbach an der K19

Kurzbericht und Jahresvergleich 2019

Die Amphibienschutzaktion 2019 ergab mit 2679 aufgefangenen Tieren ein mehr als verdoppeltes Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr (1307 Exemplare). Ein ähnlicher Anstieg wird auch von anderen Schutzzäunen in der Region berichtet und ist wohl vor allem auf den milden Winter zurückzuführen.
Er lässt aber auch den Rückschluss zu, dass viele erwachsene Tiere im letzten Jahr aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse möglicherweise ganz auf die Wanderung verzichtet hatten.
Erdkröten weisen mit 1442 Tieren einen Zuwachs von 275% aus und erreichen den höchsten Stand seit 13 Jahren. Springfrösche haben mit 375 Exemplaren um 212% zugenommen (Vorjahr: 177). Bei den Grasfröschen (444 Exemplare) hat sich das Ergebnis um 166% verbessert (Vorjahr 267). Bei den Wasserfröschen (45 Exemplare – Vorjahr 38) und den Bergmolchen (293 Exemplare – Vorjahr 280) sind die Zuwächse moderat, bei den Fadenmolchen hingegen (80 Exemplare – Vorjahr 21) gab es einen Zuwachs auf das fast Vierfache.
Der Schutzzaun war diesmal im Vergleich zum Vorjahr in beiden Richtungen etwas verlängert worden. Die gute Auslastung der zusätzlichen Eimer (in den ersten vier Eimern aus Richtung Langenberg wurden knapp 10% aller Tiere aufgefangen, in den letzten vier gut 5,5%) lässt den Schluss zu, dass das Wandergebiet möglicherweise noch nicht vollständig abgedeckt ist und dass sich eine weitere Verlängerung Richtung Langenberg als sinnvoll erweisen könnte.
Verstärkt ist ein Phänomen erneut aufgetreten, das schon in den Jahren 2006 und 2007 zu Verlusten geführt hatte: Im südlichen Zaunbereich (ab Eimer 26) wurden tote Tiere in den Eimern vorgefunden, die offenbar an den Folgen von Ameisenbissen gestorben waren. Allein am 7. März wurden 24 tote Tiere (21 Frösche, 3 Kröten) gezählt. Erfahrungsgemäß werden die Amphibien von den Ameisen nur angefallen, wenn sie sich (z.B. bei plötzlichem Frosteinbruch) in einen am Laufweg befindlichen Ameisenhaufen einzugraben versuchen. Um das zu verhindern, sollten Ameisenhaufen an der Wanderroute so mit Abweisern gesichert werden, dass die Amphibien sicher daran vorbeilaufen.

Grafik Gesamtergebnis 2019 je Tag
Gesamtergebnis 2019 je Tag
Grafik Gesamtergebnis 2019 je Tag Grafik
Gesamtergebnis 2019 je Tag Grafik
Grafik Gesamtergebnis 2019 je Eimer
Gesamtergebnis 2019 je Eimer
Grafik Gesamtergebnis 2019 je Eimer
Gesamtergebnis 2019 je Eimer
Grafik Wanderkalender 2002–2019
Wanderkalender 2002–2019

Ergebnisse zurückliegender Jahre:

PDFErgebnis 2019 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [32 KB]

PDFErgebnis 2018 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [32 KB]

PDFErgebnis 2017 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [87 KB]

PDFErgebnis 2016 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [15.3 KB]

PDFErgebnis 2015 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [213.3 KB]

PDFErgebnis 2014 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [13.7 KB]

PDFErgebnis 2013 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [14.1 KB]

PDFErgebnis 2012 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [14.2 KB]

PDFErgebnisse 2002–2011.pdf
PDF-Dokument [11.2 KB]

Hintergrundinformationen:

Entlang der Kreisstraße K19 von Langenberg nach Hagenbach, genauer gesagt zwischen der Einmündung der Büchelberger Straße und dem ehemaligen Sägewerk Betsch wurde im Jahr 2002 erstmalig für die Zeit der „Krötenwanderung“ ein Amphibienschutzzaun in einer Länge von gut 500 m angelegt. Er dient dem Schutz der Amphibien, die auf dem Weg aus ihren Winterquartieren im Bienwald zu ihren Laichplätzen im Naturschutzgebiet Ried-Ried die Straße überqueren müssen – ein Unterfangen, das in den vergangenen Jahren für Hunderte von Tieren tödlich verlief.

Seit damals sind bis heute an dem Projekt neben dem Forstamt Kandel die Untere Landespflegebehörde, die Biotopbetreuung Rheinland-Pfalz, der Naturschutzverband Südpfalz e. V. und die Hainbuchenschule Hagenbach beteiligt. Die Verantwortung für die täglichen Kontrollen der rund 35 Auffangeimer hat der Naturschutzverband Südpfalz e. V. übernommen. Während der Wanderperiode werden die Amphibien jeden Morgen eingesammelt und über die Straße in das Naturschutzgebiet gebracht.

Aus der Hainbuchenschule Hagenbach als Ökologischer Schule nimmt an dem Amphibienschutzprojekt schwerpunktmäßig die Grundschule teil. An je nach Witterung abgestimmten Tagen helfen die Kinder der Grundschulklassen, die Tiere einzusammeln und über die Straße zum Naturschutzgebiet zu bringen. Für die Dauer der Aktion werden jeweils Warnschilder und eine Geschwindigkeitsbeschränkung aufgestellt, und Eltern der Kinder sichern die Strecke zusätzlich als Lotsen.

Fachleute des NVS unterrichten die Kinder vor Ort über die jeweils vorgefundenen Arten, deren Lebensweise und den Grad akuter Gefährdung, in der sich die meisten Arten befinden. Außerdem wird über die Funde jeden Tages ein Protokoll angefertigt, das am Ende der Aktion eine Auswertung (Anzahl der Arten, Anzahl je Art, Verteilung entlang der Strecke, Häufigkeit über den gesamten Beobachtungszeitraum, Einfluss der Witterung auf das Wanderverhalten, Entwicklung im Lauf der Jahre, usw.) ermöglicht.

Bei diesem Standort handelt es sich um ein bedeutendes Vorkommen des Springfrosches (rana dalmatina) in Rheinland-Pfalz, ja sogar in ganz Deutschland. Alleine um ihre Überlebenschance zu verbessern, hätte sich diese Aktion schon mehr als gelohnt, die im Übrigen nicht als Eingriff in den natürlichen Lebenskreislauf zu werten ist: die Amphibien werden lediglich vor der Gefahr „Straßenverkehr“ bewahrt – mit ihren natürlichen Fressfeinden müssen sie alleine zurechtkommen. So sind z. B. wiederholt Spuren und Überreste aufgefunden worden, die für den Iltis kennzeichnend sind und auf einen stärkeren Bestand dieser Art schließen lassen. Aber auch die Ringelnatter lebt in diesem Naturschutzgebiet, und der Graureiher ist ein häufig anzutreffender Besucher …

Insgesamt wurden bisher folgende Arten erfasst: Springfrosch (rana dalmatina), Grasfrosch (rana temporaria), Teichfrosch (rana esculenta), Kleiner Wasserfrosch (rana lessonae), Erdkröte (bufo bufo), Bergmolch (triturus alpestris), und Fadenmolch (triturus helveticus).

Die Rückwanderung der Amphibien erfolgt in einem ausgedehnten Zeitraum nach dem Ablaichen, praktisch bis in den Herbst hinein (erste Wanderung der neuen Generation in die Winterquartiere). Für diesen „Rückweg“ sind keine Schutzmaßnahmen vorgesehen. Der Schutzzaun wird am Ende der Aktion wieder entfernt, um die Rückwanderung nicht zu behindern.