Amphibienschutzzaun bei Hagenbach an der K19

Kurzbericht und Jahresvergleich 2020

Die Amphibienschutzaktion 2020 ergab mit 1166 aufgefangenen Tieren ein mehr als halbiertes Ergebnis (44%) im Vergleich zum Vorjahr (2679 Exemplare). Damit wurde wieder ein Niveau etwa auf der Höhe der Jahre davor (2016-2018) erreicht, sodass 2019 nachträglich als ein herausragendes Jahr eingeordnet werden kann.

Umso interessanter wäre eine schlüssige Antwort auf die Frage, was denn aus der (vermutlich entsprechend starken) neuen Generation dieses Jahrgangs 2019 geworden ist…? Im Spätsommer und Herbst hatten wir ausreichend Niederschläge, der Winter war extrem mild – daher stellen sich Fragen wie z.B.: Hat der Laich schon im Laichgewässer Ried-Ried (durch Frost oder Austrocknung) Schaden genommen? Gab es Krankheiten? Sind vermehrt Tiere bei der Rückwanderung umgekommen? Oder kann es sein, dass diese Generation sich so spät fertig entwickelt hat, dass sie erst im kommenden Jahr zum ersten Mal wandert? Über diesen letzten Punkt kann uns vielleicht das kommende Jahr ein wenig Aufschluss geben.

Besonders bemerkenswert sind diesmal auch die Unterschiede je Art: während sich Grasfrösche und Wasserfrösche fast auf dem Stand des Vorjahres (97 bzw. 91%) gehalten haben, sind Erdkröten auf fast ein Drittel (36%) zurückgegangen. Noch stärker ist der Einbruch bei den Springfröschen (auf 28%) und bei den Bergmolchen (auf 23%). Bei den Fadenmolchen gab es schon mehrmals so geringe Funde (Jahre 2010-2014), dass mit dem völligen Ausbleiben gerechnet werden musste. Für diese Art ist der drastische Rückgang von 80 Tieren in 2019 auf 2 Exemplare (2,5%) dennoch kaum zu erklären.

Ergebnisse zurückliegender Jahre:

PDFErgebnis 2020 im Jahresvergleich.pdf
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PDFErgebnis 2019 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [32 KB]

PDFErgebnis 2018 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [32 KB]

PDFErgebnis 2017 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [87 KB]

PDFErgebnis 2016 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [15.3 KB]

PDFErgebnis 2015 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [213.3 KB]

PDFErgebnis 2014 im Jahresvergleich.pdf
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PDFErgebnis 2013 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [14.1 KB]

PDFErgebnis 2012 im Jahresvergleich.pdf
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PDFErgebnisse 2002–2011.pdf
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Hintergrundinformationen:

Entlang der Kreisstraße K19 von Langenberg nach Hagenbach, genauer gesagt zwischen der Einmündung der Büchelberger Straße und dem ehemaligen Sägewerk Betsch wurde im Jahr 2002 erstmalig für die Zeit der „Krötenwanderung“ ein Amphibienschutzzaun in einer Länge von gut 500 m angelegt. Er dient dem Schutz der Amphibien, die auf dem Weg aus ihren Winterquartieren im Bienwald zu ihren Laichplätzen im Naturschutzgebiet Ried-Ried die Straße überqueren müssen – ein Unterfangen, das in den vergangenen Jahren für Hunderte von Tieren tödlich verlief.

Seit damals sind bis heute an dem Projekt neben dem Forstamt Kandel die Untere Landespflegebehörde, die Biotopbetreuung Rheinland-Pfalz, der Naturschutzverband Südpfalz e. V. und die Hainbuchenschule Hagenbach beteiligt. Die Verantwortung für die täglichen Kontrollen der rund 35 Auffangeimer hat der Naturschutzverband Südpfalz e. V. übernommen. Während der Wanderperiode werden die Amphibien jeden Morgen eingesammelt und über die Straße in das Naturschutzgebiet gebracht.

Aus der Hainbuchenschule Hagenbach als Ökologischer Schule nimmt an dem Amphibienschutzprojekt schwerpunktmäßig die Grundschule teil. An je nach Witterung abgestimmten Tagen helfen die Kinder der Grundschulklassen, die Tiere einzusammeln und über die Straße zum Naturschutzgebiet zu bringen. Für die Dauer der Aktion werden jeweils Warnschilder und eine Geschwindigkeitsbeschränkung aufgestellt, und Eltern der Kinder sichern die Strecke zusätzlich als Lotsen.

Fachleute des NVS unterrichten die Kinder vor Ort über die jeweils vorgefundenen Arten, deren Lebensweise und den Grad akuter Gefährdung, in der sich die meisten Arten befinden. Außerdem wird über die Funde jeden Tages ein Protokoll angefertigt, das am Ende der Aktion eine Auswertung (Anzahl der Arten, Anzahl je Art, Verteilung entlang der Strecke, Häufigkeit über den gesamten Beobachtungszeitraum, Einfluss der Witterung auf das Wanderverhalten, Entwicklung im Lauf der Jahre, usw.) ermöglicht.

Bei diesem Standort handelt es sich um ein bedeutendes Vorkommen des Springfrosches (rana dalmatina) in Rheinland-Pfalz, ja sogar in ganz Deutschland. Alleine um ihre Überlebenschance zu verbessern, hätte sich diese Aktion schon mehr als gelohnt, die im Übrigen nicht als Eingriff in den natürlichen Lebenskreislauf zu werten ist: die Amphibien werden lediglich vor der Gefahr „Straßenverkehr“ bewahrt – mit ihren natürlichen Fressfeinden müssen sie alleine zurechtkommen. So sind z. B. wiederholt Spuren und Überreste aufgefunden worden, die für den Iltis kennzeichnend sind und auf einen stärkeren Bestand dieser Art schließen lassen. Aber auch die Ringelnatter lebt in diesem Naturschutzgebiet, und der Graureiher ist ein häufig anzutreffender Besucher …

Insgesamt wurden bisher folgende Arten erfasst: Springfrosch (rana dalmatina), Grasfrosch (rana temporaria), Teichfrosch (rana esculenta), Kleiner Wasserfrosch (rana lessonae), Erdkröte (bufo bufo), Bergmolch (triturus alpestris), und Fadenmolch (triturus helveticus).

Die Rückwanderung der Amphibien erfolgt in einem ausgedehnten Zeitraum nach dem Ablaichen, praktisch bis in den Herbst hinein (erste Wanderung der neuen Generation in die Winterquartiere). Für diesen „Rückweg“ sind keine Schutzmaßnahmen vorgesehen. Der Schutzzaun wird am Ende der Aktion wieder entfernt, um die Rückwanderung nicht zu behindern.