Amphibienschutzzaun bei Hagenbach an der K19

Kurzbericht und Jahresvergleich 2020

Die Amphibienschutzaktion 2021 erzielte mit 732 aufgefangenen Tieren ein um mehr als ein Drittel reduziertes Ergebnis (63%) im Vergleich zum Vorjahr (1166 Exemplare). In der Summe liegt dieses Ergebnis unter dem ersten bei Beginn dieser Schutzaktion (2002 wurden 766 Tiere gerettet), und nur geringfügig über den „schlechten“ Jahren 2012 (627 Tiere), 2013 (616 Tiere) und 2014 (522 Tiere).

Extrem unterschiedlich war die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr bei den einzelnen Arten: während Erdkröten mit 118% ein verbessertes Ergebnis erzielten (und mit 84% den größten Teil aller Funde darstellen), sind alle anderen Arten zurückgegangen: Springfrösche von 106 auf 10 (-90,5%), Grasfrösche von 430 auf 80 (-81,4%), Wasserfrösche von 41 auf 6 (-85,4%), Bergmolche von 67 auf 20 (-70%). Und nur ein einziger Fadenmolch wurde noch gezählt (nach zweien im Vorjahr).

In unserem ersten Aktionsjahr 2002 sahen wir uns (mit 200 geretteten Exemplaren) darin bestätigt, dass der stark gefährdete Springfrosch im Bienwald und den angrenzenden Rheinauen sein größtes Vorkommen in Rheinland-Pfalz (und eines der größten in ganz Deutschland) hat. Nach einem Höchststand im Jahr 2003 (796 Tiere) haben wir 2021 mit 10 Exemplaren den absoluten Tiefstand. Ist der Springfrosch hier fast ausgestorben – oder hat die Art einfach nur aufgrund der extrem schlechten Witterungsverhältnisse (es war über lange Strecken entweder zu kalt oder zu trocken) auf die Wanderung verzichtet?

Ein Blick in die Jahresübersicht gibt Anlass zu Hoffnung: 2010 hatten wir nur 70 Braunfrösche (Springfrösche und Grasfrösche zusammengezählt), im Jahr 2014 sogar nur 62. Im Vergleich dazu sind 90 (10 + 80) in 2021 schon wieder viele…

Die Hainbuchenschule Hagenbach konnte aufgrund der Corona-bedingten Restriktionen erneut nicht an der Schutzaktion teilnehmen. Hoffen wir auf bessere Tage im kommenden Jahr!

Ergebnisse zurückliegender Jahre:

PDFErgebnis 2021 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [52 KB]

PDFErgebnis 2020 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [32 KB]

PDFErgebnis 2019 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [32 KB]

PDFErgebnis 2018 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [32 KB]

PDFErgebnis 2017 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [87 KB]

PDFErgebnis 2016 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [15.3 KB]

PDFErgebnis 2015 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [213.3 KB]

PDFErgebnis 2014 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [13.7 KB]

PDFErgebnis 2013 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [14.1 KB]

PDFErgebnis 2012 im Jahresvergleich.pdf
PDF-Dokument [14.2 KB]

PDFErgebnisse 2002–2011.pdf
PDF-Dokument [11.2 KB]

Hintergrundinformationen:

Entlang der Kreisstraße K19 von Langenberg nach Hagenbach, genauer gesagt zwischen der Einmündung der Büchelberger Straße und dem ehemaligen Sägewerk Betsch wurde im Jahr 2002 erstmalig für die Zeit der „Krötenwanderung” ein Amphibienschutzzaun in einer Länge von gut 500 m angelegt. Er dient dem Schutz der Amphibien, die auf dem Weg aus ihren Winterquartieren im Bienwald zu ihren Laichplätzen im Naturschutzgebiet Ried-Ried die Straße überqueren müssen – ein Unterfangen, das in den vergangenen Jahren für Hunderte von Tieren tödlich verlief.

Seit damals sind bis heute an dem Projekt neben dem Forstamt Kandel die Untere Landespflegebehörde, die Biotopbetreuung Rheinland-Pfalz, der Naturschutzverband Südpfalz e. V. und die Hainbuchenschule Hagenbach beteiligt. Die Verantwortung für die täglichen Kontrollen der rund 35 Auffangeimer hat der Naturschutzverband Südpfalz e. V. übernommen. Während der Wanderperiode werden die Amphibien jeden Morgen eingesammelt und über die Straße in das Naturschutzgebiet gebracht.

Aus der Hainbuchenschule Hagenbach als Ökologischer Schule nimmt an dem Amphibienschutzprojekt schwerpunktmäßig die Grundschule teil. An je nach Witterung abgestimmten Tagen helfen die Kinder der Grundschulklassen, die Tiere einzusammeln und über die Straße zum Naturschutzgebiet zu bringen. Für die Dauer der Aktion werden jeweils Warnschilder und eine Geschwindigkeitsbeschränkung aufgestellt, und Eltern der Kinder sichern die Strecke zusätzlich als Lotsen.

Fachleute des NVS unterrichten die Kinder vor Ort über die jeweils vorgefundenen Arten, deren Lebensweise und den Grad akuter Gefährdung, in der sich die meisten Arten befinden. Außerdem wird über die Funde jeden Tages ein Protokoll angefertigt, das am Ende der Aktion eine Auswertung (Anzahl der Arten, Anzahl je Art, Verteilung entlang der Strecke, Häufigkeit über den gesamten Beobachtungszeitraum, Einfluss der Witterung auf das Wanderverhalten, Entwicklung im Lauf der Jahre, usw.) ermöglicht.

Bei diesem Standort handelt es sich um ein bedeutendes Vorkommen des Springfrosches (rana dalmatina) in Rheinland-Pfalz, ja sogar in ganz Deutschland. Alleine um ihre Überlebenschance zu verbessern, hätte sich diese Aktion schon mehr als gelohnt, die im Übrigen nicht als Eingriff in den natürlichen Lebenskreislauf zu werten ist: die Amphibien werden lediglich vor der Gefahr „Straßenverkehr“ bewahrt – mit ihren natürlichen Fressfeinden müssen sie alleine zurechtkommen. So sind z. B. wiederholt Spuren und Überreste aufgefunden worden, die für den Iltis kennzeichnend sind und auf einen stärkeren Bestand dieser Art schließen lassen. Aber auch die Ringelnatter lebt in diesem Naturschutzgebiet, und der Graureiher ist ein häufig anzutreffender Besucher …

Insgesamt wurden bisher folgende Arten erfasst: Springfrosch (rana dalmatina), Grasfrosch (rana temporaria), Teichfrosch (rana esculenta), Kleiner Wasserfrosch (rana lessonae), Erdkröte (bufo bufo), Bergmolch (triturus alpestris), und Fadenmolch (triturus helveticus).

Die Rückwanderung der Amphibien erfolgt in einem ausgedehnten Zeitraum nach dem Ablaichen, praktisch bis in den Herbst hinein (erste Wanderung der neuen Generation in die Winterquartiere). Für diesen „Rückweg“ sind keine Schutzmaßnahmen vorgesehen. Der Schutzzaun wird am Ende der Aktion wieder entfernt, um die Rückwanderung nicht zu behindern.